 |
|
Aktuelle
Presseartikel |
| |
|
Kieler Nachrichten Samstag,
19. August 2006 (Landeshauptstadt Kiel
Seite 22) |
Wie ist das Wetter in Übersee?
Funkamateure nehmen vom Kieler Leuchtturm aus Kontakt zu
Gleichgesinnten in der ganzen Welt auf
Von Karina Dreyer (Artikel und Fotos)
Seit acht Jahren und immer am dritten Wochenende im August
aktivieren weltweit rund 10000 Funkamateure 48 Stunden lang
Leuchttürme und Feuerschiffe, bundesweit rund 1000 Funker an
30 dieser Stationen. Von den 400 Kieler Funkexperten
errichteten gestern Lothar Deckert und Manfred Dommasch,
natürlich mit dem Okay des WSA und ohne die Frequenzen der
Lotsen zu stören, vier Antennen in 30 Metern Höhe am
Leuchtturm und an Flaggenmasten auf der Mole. 100 Stufen
hoch schleppten sie ihr Equipment: Kurzwellenstationen,
Netzgeräte, Anpassgeräte für Antennen, Schlafsäcke, Laptops
und Logbücher, in denen die 500 bis 1000 Funkkontakte an
diesem Wochenende festgehalten werden sollen. Seit heute
Morgen um 7 Uhr sind sie wieder und nun gemeinsam mit
Funk-Kollege Thomas Kürth auf diversen Wellenlängen,
sprechen bis morgen Nachmittag auf Englisch mit aller Welt
„über Hobbys, Wetter, Geräte und Gesundheit“, erklärt
Deckert, der seit 1970 mit von der Partie ist und
mittlerweile zum vierten Mal vom Leuchtturm aus funkt. Aus
reinem Spaß an der Freude, nach Übersee, Europa oder in die
nächste Umgebung. „Die Zeiten, dass man sich im Keller
abschottet, sind vorbei“, betont der 62-jährige Vorsitzende
des Ortsverbandes Kiel-Ost, der täglich zwei Stunden vom
Wohnzimmer oder montags vom Clubheim auf dem Feuerschiff
„Laesö Rende“ in Heikendorf funkt. Bis morgen lautet ihre
geo-grafische Lage: 54° 30’ 0,10“ nördliche Breite, 10° 16’
29,6“ östliche Länge. Der Beginn eines jeden Gesprächs ist
speziell bei Deckert „Cq, cq, cq (allgemeiner Anruf) von
Delta Fox 1 Lima Uniform, bitte kommen!“. Man trifft dabei
auch auf Prominente wie Friedrich Merz, meint Deckert. Oder
man nimmt wie Kürth vor sechs Jahren einfach Kontakte zur
Raumstation MIR auf. Drei bis 60 Minuten kann ein Gespräch
schon mal dauern, es wird sich generell geduzt. Die Qualität
der Gespräche hängt von der Jahreszeit, vom Stand der Sonne
und ihren reflektierenden Schichten ab. Dabei entstehen
Freundschaften und manchmal auch Ehen. Es schwankt ein wenig
auf dem Leuchtturm, Baujahr 1965/67. „Die Belüftung springt
alle fünf Minuten an und ist laut“, meint Deckert, der die
Wolldecke in den ehemaligen Technikraum gelegt hat. Aber es
werde eh nicht geschlafen, sondern nur geruht – Essen gibt
es kurz zwischen den Funksprüchen in der Lotsenkantine. „Das
Ambiente ist einfach herrlich, aber wir befürchten, dass der
Leuchtturm bald
durch eine Leuchtfeuertonne ersetzt wird und dies vielleicht
das letzte Mal für uns gewesen ist“, ist Deckert leicht
betrübt. Erreichbar ist der Leuchtturm heute und morgen
übrigens unter dem Rufzeichen “DL0IOO-LH“. Weitere Infos im
Internet unter www.DL0IOO.de. |
|
Kieler Nachrichten Samstag, 22. Oktober 2005 (Kiel lokal,
Seite 37) |
Ellerbek – „Wir haben uns hier einen Traum erfüllt, den wir
seit über 20 Jahren geträumt haben“, schwärmt Jürgen
Schaefer auf dem Dach des Hochhauses Poppenrade 5 von dem
Hobby, das ihn so begeistert: Amateurfunkfernsehen.
Von Karin Jordt (KN)
In einer kleinen Kammer direkt unter dem Dach haben die
Amateurfunker auf 85 Metern über dem Meeresspiegel eine
Sende- und Empfangsanlage aufgebaut. Mit einer „normalen
Reichweite von 20 bis 40 Kilometern“, so Schaefer. Am 10.
Oktober 2002 gründeten zehn technikbegeisterte Amateurfunker
eine „Interessengruppe Amateurfernsehen“. Dem folgten einige
Monate Tüfteln und Basteln, da die Funker sich ihre Anlagen
mit Sendern, Empfängern und Antennen nicht fertig von der
Stange kaufen, sondern meistens selbst zusammenstellen.
„Etwa 2000 Stunden Arbeit haben wir dafür geleistet“,
erzählt Schaefer nicht ohne Stolz, rund 7000 Euro wurden
investiert. Der Dietrichsdorfer, der unter dem persönlichen
Rufzeichen DJ7RI drahtlos kommuniziert, hat seine Lizenz als
Amateurfunker schon seit 1962. „Die war damals noch
schwieriger zu bekommen als heute“, berichtet der
62-Jährige, „man musste mindestens 18 Jahre alt sein und
morsen können“. Für die Anlage auf dem Hochhaus Poppenrade
wurden insgesamt 56 Baugruppen verwendet und acht Antennen
installiert für unterschiedliche Einsätze im analogen
Fernsehbetrieb. „Das Gerät haben wir fernbedient immer unter
Kontrolle und können auch echte Fernsehkonferenzen damit
machen“. Nicht erlaubt sind allerdings kommerzielle
Sendungen. Maximale Reichweite sogar 246 Kilometer
Funkamateure im Umkreis von bis zu 40 Kilometern können
ebenfalls auf die Anlage zugreifen. Auch dient DB0IL, so das
Rufzeichen der Anlage, als Relaisstation, die ausgesendete
Signale auf einer bestimmten Frequenz empfängt und sie
anschließend auf einer anderen Frequenz wieder aussendet.
„Die maximale Reichweite, die einmal bei günstigen
Wetterbedingungen erreicht wurde, betrug sogar 246
Kilometer“, erläutert Schaefer. Und noch einige technische
Details: DB0IL empfängt auf 2343, 10400 und 24220 Megahertz
und sendet auf 5712 und 10180 Megahertz täglich rund um die
Uhr. Empfangen darf die Amateurfunksendungen jeder, auch
ohne Lizenz. Zu den begeisterten Fernsehfunkern gehört auch
Horst Grimm. Der gelernte Klempner und Installateur zeigt
gern Urlaubsfilme und Digitalfotos oder spielt über DB0IL
Aufnahmen alter Maschinen in die Wohnzimmer seiner
Funkkollegen ein. Wer sich an den Fernsehkonferenzen der
Hobbyfunker mit Beiträgen beteiligen möchte, braucht
natürlich seinerseits entsprechende Antennen mit einem
Fernsehsender, einer Kamera und einer Funklizenz. Schaefer
teilt sein Hobby auch mit Ehefrau Heidi, Rufzeichen DL2ZZ.
Warum sich im Zeitalter des Internet und der Handys immer
noch weitweit rund zwei Millionen Funkamateure für diese
Übertragungsart begeistern? Ihnen geht es nicht nur darum,
Verbindungen zu Gesprächspartnern auf allen Kontinenten
herzustellen und Kontakte über Staatsgrenzen hinweg zu
pflegen, sondern auch technische Herausforderungen mit
Sendern, Antennen und Betriebsarten zu meistern. Abhängig
von der verwendeten Frequenz, der technischen Ausstattung
und den äußeren Wetterbedingungen lässt sich im Prinzip
jeder Winkel der Erde erreichen. Außer der Sichtverbindung
zwischen den Amateurfunkstationen werden auch
Relaisfunkstationen oder Reflexionen, etwa an Schichten der
Atmosphäre, genutzt. Neben Morsetelegrafie, Sprechfunk und
Amateurfunkfernsehen (ATV) gibt es mittlerweile auch
Ergänzungen durch digitale Betriebsarten und die Kombination
mit Computern. In Deutschland sind etwa 80000 Funkamateure
aktiv. „Der Einstieg ist nicht schwierig und für alle
Altersgruppen zu machen“, versichert Schaefer. Wer Interesse
hat, sollte sich zunächst an eine der Gruppen des Deutschen
Amateur-Radio Clubs (DARC) wenden.
In Kiel gibt es fünf Ortsgruppen (Infos:
www.darc.de). Die
Fernsehfunker des Ostufers treffen sich montags, 19.30 Uhr,
auf dem Feuerschiff „Læsø Rende“ im Möltenorter Hafen. Dort
beginnt Ende Oktober auch ein Kursus für die Amateur-Lizenz
Klasse A; Kontakt: Vorsitzender Lothar Deckert, Tel. 79257
oder: www.DL0ioo.de

Artikel (Kiel lokal,
Seite 37) zum Download
(JPG-Bild 260 KB) |
|
|